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Jonathan Harvey: Works for piano – Works flute and piano

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Artikelnummer: NEOS 10828 Kategorien: ,
Veröffentlicht am: März 23, 2009

Infotext:

Werke für Klavier – Werke für Flöte und Klavier

Musikalische Lyrik ist natürlich auch ohne einen vertonten Text denkbar: wenn sich die musikalische Metrik über Konventionen hinwegsetzt, wenn die Klangfarbe und die strukturelle Bedeutung eines Tons zusammenfallen, wenn der Künstler um verdichtete, bildhafte Formulierungen ringt. Jonathan Harveys kurzes Klavierstück Vers ist solch eine lyrische Arbeit. Zwei Gedanken durchkreuzen einander, überschneiden sich, fallen sich gegenseitig ins Wort und gehen schließlich doch in einem mit ›wild and dancing‹ überschriebenen Abschnitt ineinander auf.

Zwei Gedanken: die lakonischen, abgeklärten Akkorde, die sich um die Tonfolge A–Ais–Cis–G ranken, und die sprunghaften, gewaltsamen Arpeggien (›very violent‹) im Diskant. Eine freie, quasi improvisierte Form habe er gesucht, schreibt Harvey, die aber – auch deshalb heißt das Stück Vers – auf einen Fluchtpunkt zuläuft, auf ein Zitat aus Harveys eigenem Werk bhakti für Ensemble und Tonband. bhakti war 1982 von Pierre Boulez in Auftrag gegeben worden; Vers entstand anlässlich seines 75. Geburtstags – als Hommage und Dankeschön, wenn man so will.

Ein spätes Klanggeschenk ist auch Tombeau de Messiaen, mit dem Harvey 1994 das Farbspektrum des Klaviers aushorcht und erweitert. Zwischen dem Flügel und seinem elektroakustischen Double entsteht ein dritter, gemeinsamer Klangraum. Harvey spielt mit der Gegenwart (des Klaviers auf dem Podium) und der Abwesenheit (des Klaviers auf Tonband) und blendet beide Klangebenen ineinander. Das Tonband enthält elektronisch modulierte Klavierklänge, die das Obertonspektrum erweitern und eine gespenstische Aura schaffen. Auch hier ein Fluchtpunkt: das Stück wird zunehmend düsterer, die Linien porös, das Tempo gerät außer sich. Diese Musik ist nicht mehr von dieser Welt. Das Stück schließt mit einer Reihe von monumentalen Akkorden, der Unerbittlichkeit eines Grabsteins gleich.

Viele dieser Klavierstücke wirken wie ein spontaner Einfall, eine Eskapade, eine Laune. Es scheint, als sei Harvey, dessen eigentliches Instrument das Cello ist, gleichsam im Vorübergehen ein Geistesblitz in die Finger gefahren. In ff (1995) verzerrt er die Obertonspektren, indem er eine Reihe von hohen Clustern anschlägt und mit einem quasi-tonalen Fundament der linken Hand filtert. Dem steht eine barbarisch hämmernde Bassfigur gegenüber, die den Pianisten zur Selbstaufgabe zwingt. Das Stück ist natürlich laut, es ist außerdem schnell, und Harvey bittet den Pianisten, jede Zurückhaltung abzulegen und sich dem Überschwang hinzugeben.

Auch das 1997 entstandene Haiku ist nur ein knapper, der japanischen Gedichtform folgender Wurf, bei dem sich die siebzehn Töne zu einem Akkord aufbäumen und wieder verklingen. Nicht anders verhält es sich mit dem kurzen Homage to Cage, dem eine motorische Unruhe zugrunde liegt, die von einem mit Ereignissen überwucherten Tonband noch potenziert wird; à Chopin (und Ligeti ist auch dabei) heißt es im Titel weiter, als habe Harvey die ganze Klavierliteratur in einem Atemzug zusammenfassen wollen. Er lasse den letzten Satz der b-moll Sonate von Chopin auf einem nach cageschem Vorbild präparierten Klavier erklingen, erläutert der Komponist seinen Ansatz.

Neben Konstruktionsverfahren post-serieller Provenienz und der akribischen, häufig elektroakustisch angereicherten Arbeit am Timbre ist für Harvey auch eine gewisse Spiritualität von Bedeutung. »Musik ist an sich spirituell«, erklärt er. »Sie sagt etwas über die Wirklichkeit aus, über das, was existiert, und das, was unbeständig ist.« Es erstaunt deshalb nicht, dass Harvey sich wiederholt Philosophien des asiatischen Kulturkreises zugewandt hat, die dem Klang einen metaphysischen Wert zusprechen. Hierher gehört auch das Stück Nataraja für Flöte und Klavier, das dem gleichnamigen indischen, vierarmigen Gott gewidmet ist.

Nataraja (auch Shiva genannt) zerstört mit seinem Tanz das Alte und lässt das Neue entstehen. Natürlich wird auch dieser Erneuerungsprozess musikalisch greifbar; man kommt nicht umhin, das notorische Rattern schneller Figuren als ein Ende, die zart aufkeimende Flötenstimme im Pianissimo als einen Anfang zu hören. Im Mittelpunkt des Stückes aber stehen der göttliche Tanz und der tanzende Gott selbst. Die Melodien biegen und wenden sich kunstvoll, die Metrik ist sprunghaft, herbe Schnalzlaute markieren Entschlossenheit, zauberhaft schillernde Multiphonics deuten Magie und Zauber an. Mal heißt Harvey seinen Nataraja erratisch, fantastisch tanzen, mal verschleiert, blass und friedvoll, dann wieder angespannt und emphatisch.

Ganz anders das zweite Stück für Flöte und Klavier, Run Before Lightning, das aus einer ganz konkreten und sehr profanen Erfahrung heraus entstand: ein in unmittelbarer Nähe einschlagender Blitz, der folgende Fluchtimpuls und die Angst. Die Flöte, erklärt Harvey, ist eng mit dem Sturm verwandt: der emotionalisierte Atem, die Turbulenzen im Inneren des Rohrs, die den Luftstrom in Musik verwandeln. Zunächst beginnt Run Before Lightning fast illustrativ, stürmisch und gehetzt, um sich nach und nach von den musikalischen Topoi des Unwetters zu lösen und allgemeineren Strukturprinzipien zu folgen, auch wenn das Aufbrausende das Stück bis zum Schluss prägt.

Harveys erstes Klavierstück von 1969 fällt in die Zeit, als er noch bei Milton Babbitt studierte. Der damals Dreißigjährige komponierte Four Images After Yeats nach Texten des irischen Dichters. Die ersten zwei Sätze, ein kurzes Naturbild und eine Beschreibung der Mondphasen, vereinen auf bemerkenswerte Weise den geweiteten Klanghorizont eines Debussy mit dem zerschlagenen Duktus der punktuellen Musik. Im dritten, dem Maß und der Zahl des Pythagoras gewidmeten Satz stehen mathematische Konstruktionsverfahren im Vordergrund.

Dieser Satz ist ironischerweise senza misura notiert. Das monumentale Schlussbild des Fegefeuers scheint dann die Geschichte der Klaviermusik zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Zitate von Bach, Mozart, Schumann, Liszt, Skrjabin und Schönberg erscheinen als Zeugen; denn, so Yeats, »der Geist muss vergangene Ereignisse in der Reihenfolge ihres Eintritts durchleben, weil er vom Himmelskörper gezwungen wird, jedes leidenschaftliche Ereignis bis zu seinem Grund zurückzuverfolgen, bis sie alle miteinander zusammenhängen und verstanden werden, in Wissen verwandelt, zu einem Teil seiner selbst geworden«.

Björn Gottstein

Programm:

[01] Nataraja (1983) 11:02
for flute and piano

[02] Run Before Lightning (2004) 07:35
for flute and piano

[03] Tombeau de Messiaen (1994) 08:41
for piano and Digital Audio Tape

[04] Vers (2000) for piano 02:46

[05] ff (1995) for piano 02:16

[06] Homage to Cage, à Chopin (und Ligeti ist auch dabei) (1998) 01:40
for piano and Digital Audio Tape

[07] Haiku (1997) for piano 00:19

Four Images After Yeats (1969) 23:30
for piano
[08] I 00:52
[09] II 02:32
[10] III 02:45
[11] IV Purgatory  17:21

total time: 58:11

Florian Hoelscher, piano
Pirmin Grehl, flute

Pressestimmen:


05/15

In der Arena der Klänge
Der Pianist Florian Hoelscher im CD-Porträt

Den guten Virtuosen erkennt man daran, wie er das Einfache spielt. Etwa die langsamen Sätze von Mozart. Oder, was unsere Zeit angeht, Salvatore Sciarrinos Klavierstück „Perduto in una città d’aque“. […]

Hoelscher hat einen Blick für interessante Repertoires. Mit den Klavierwerken und Stücken für Klavier und Flöte von Jonathan Harvey rückt er einen noch immer viel zu wenig gespielten Komponisten ind Rampenlicht. Auch hier gibt es diese souveräne Zeitgestaltung, gepaart mit einem entwickelten Klangsinn und einer prickelnd klaren Fingertechnik. […]

Max Nyffeler

 


06/2010


03/2010

RECORDING OF THE MONTH

The disc opens with the explosive piccolo and piano beginning of Nataraja, a dramatic piece which refers to the four-armed Indian God (also known as Shiva). The piece uses flute and piccolo, with moments of calm interspersed with active dance figurations. The influences of both Indian culture and the bird-song writing of Messiaen are detectable, as well as Harvey’s interest in electronic music, which can be heard through some of the uses of extended techniques and textures. Run Before Lightning, Harvey’s most recent flute work, was composed in 2004 as a competition test-piece. The stormy opening creates a dark atmosphere, demonstrating Harvey’s imagination for orchestration. The centre of the piece is calmer and more reflective, but elements of the storm return before the end. Both these works demonstrate a real understanding of the instruments for which they are written. They are performed with vigour and excellence by these players. Primin Grahl’s flute playing is assured, expressive and controlled, with a dazzling technique and silky tone. I’d like to hear more from this young, talented player.

Tombeau de Messiaen is perhaps one of Harvey’s most well-known piano pieces, extending the instrument’s range of sound with an electronics part of modified piano sounds. The music strays further from the concept of a traditional piano piece as it develops and the eerie sound of the electronics is allowed to take over. This is an interesting work which shows with much success one of the possible approaches to writing for a live instrument and electronics.

Four short pieces follow. Vers is an expressive work which combines sumptuous harmonies with dramatic dance-like figurations to create a well-formed and fascinating miniature. ff is a loud and fast work which makes wide use of the overtone series. The work’s driving energy alternates between syncopated chords and accented, toccata-like bass sections. The Homage to Cage, à Chopin (und Ligeti ist auch dabei) is another short work which pays tribute to some of the leading composers of piano repertoire. Again possessing the feel of a toccata, Chopin’s music is played in the style of Cage on a prepared piano, combined with Harvey’s own compositional style. The nineteen second long Haiku is made up of seventeen notes, which are allowed to combine to form a chord, in a moment of elegance and poise.

The final work on the disc is Four Images after Yeats for solo piano. This is a four movement tour-de-force, composed in 1969. Various composers are quoted through the work, including Bach, Mozart, Scriabin and others. Harvey incorporates these sounds entirely into his own work, and the influence of his teacher, Milton Babbitt, is also subtly present. Although complex in terms of harmony and texture, the music is deeply expressive, and I find the style fascinating rather than distracting. One never has the sense here that the music is difficult for academic effect; at the heart lies a sort of romanticism, with an emotional message to be conveyed.

Florian Hoelscher gives Harvey’s music some wonderfully emotive communication, finding the poetic nature of the writing and bringing that to the listening audience. His playing is polished and well controlled, without losing a sense of naturalness or humanity, and one has the feeling that his excellent technique serves primarily to enable him to express the essence of the music.

This is a world-class performance of some magnificent repertoire from some very exciting players. Harvey’s music works on many different levels, from the intellectual to the emotional, and the music has clearly captured the imagination of these performers. Their enthusiasm is infectious, creating an unmissable disc.

Carla Rees


11/12 2009

Works for Piano – Works for Flute & Piano

My colleague Robert overview of composer Jonathan Harvey in his review of an NMC disc that included Body Mandala (Fanfare 32:5). Harvey is a respected composer who continues to fascinate both because of his work with electronics and because of his embracing of Far Eastern ideologies and belief systems.

Only the first two works feature flute; the rest of the disc presents solo piano music. The first piece, Nataraja, reflects Harvey’s interest in the philosophies of the Far East referred to above. It was written in 1983. Nataraja is an Indian God with four arms who is perhaps better known under the alternative name of Shiva the Destroyer, whose destructive tendencies allow the new and fresh to come in. More accurately still, Nataraja refers to the specific depiction of Shiva as a cosmic dancer, and indeed the rapid opening is eminently evocative of rapid dance. Harvey seems to wish to depict two aspects of the God (there are in fact two distinct types of dance associated with Nataraja, the slow “Lasya” and the more animated “Tandava”). One side is active, energetic; the other, more reflective, more seductive even. The flute part includes multiphonics and flutter tonguing. The heavy dance of a central episode is at once memorable and amusing. Run before Lightning dates from some 21 years later and is hugely virtuosic for both players. The depiction in sound of a bolt of lightning opens the piece. Harvey plays on the corollary between the air that passes through the flute and the air of a storm. Both of these pieces are given sterling performances. Grehl is solo flute with the Konzerthausorchester Berlin and is also in demand as a soloist.

Florian Hoelscher has studied with Robert Levin, Béroff, and Aimard. He plays Harvey’s music with supreme confidence. The 1994 Tombeau de Messiaen is by now one of Harvey’s best-known pieces. It works best live, as it needs a large, resonant acoustic space to realize fully Harvey’s explorations of the piano’s timbral possibilities (Harvey himself refers to Messiaen as a “protospectralist”), climaxing in an astonishing, active passage that moves close to Stockhausen. Harvey takes the piano sound and, on tape, extends its overtone spectrum so that the taped piano sounds entirely tuned to the harmonic series (12 of them, one for each pitch-class) and plays against the tempered, live, piano. There is, therefore, the effect of the one “rubbing” against the other. The British pianist Steven Osborne has been touring this piece for a while, and plays it most convincingly. Hoelscher, though, seems even more attuned to Harvey’s sound world. The only other available recording appears to be by André Ristic (Atma 2254; see below also for his take on Vers). Ristic is a little more polite in the manic section towards the end; Hoelscher provides an altogether more exciting ride.

Freedom of form and expression is at the heart of Vers (2000), a piece that quotes the composer’s own Bhakti. It was written to mark the 75th birthday of Pierre Boulez and was premiered in the French master’s presence. Over the span of less than three minutes, it gradually recedes. The actual material comprises bass chords against mobile upper-voice roulades. The title has two meanings: “towards” the brief quotation, and towards a new use of form (for Harvey). Ristic’s competing performance, which was actually the world premiere recording, is recorded in more forward, present sound, but I find Hoelscher the more convincing interpreter.

In contrast, in ff (1995), Harvey links the extreme dynamic with extremities of tempo to deliver an action packed, virtuoso two minutes of music. Even shorter is the magnificent Homage to Cage, à Chopin (und Ligeti ist auch dabei). Here it is the composer who is the true virtuoso, summing up a huge segment of the repertoire in no time at all. The finale of Chopin’s Second Sonata is transmogrified via Cageian means. Sonically, this is extremely inventive. The sheer speed of delivery puts one more in mind of Nancarrow. Shortest of all is Haiku (all of 19 seconds), a simple gesture, the meaning of which is left to resonate in the listener’s imagination for most of the allotted duration.

The final piece is both the longest and the earliest. Dating from 1969, Four Images after Yeats was composed while Harvey was still studying with Babbitt. The fragmentary, aphoristic nature of the first two movements and the mathematical basis (Pythagorean) of the third lead to the long final movement, wherein Harvey again brings forward his penchant for quotation, this time plundering Bach, Mozart, Schumann, Liszt, Scriabin, and Schoenberg for his own purposes. The process is directly related to Yeats’s idea of the Spirit processing its own past until everything is comprehended, and Harvey makes it work brilliantly. Harvey was, even then, a notable composer, and the inclusion of this piece is to be applauded.

Production standards, as one has come to associate with this company, are of the very highest. Highly recommended. And if this disc inspires you to explore further, the Arditti Quartet’s recording of the complete string quartets and String Trio on Aeon 975 would be recommended. The Fourth Quartet characteristically includes the use of live electronics.

Colin Clarke


20.10.2009

Le piano de Jonathan Harvey
Genre : Ecouter, voir, lire …  

L’exigeant label allemand Neos nous offre un album centré sur l’œuvre pour piano seul ou avec flûte du compositeur Jonathan Harvey. Souvent qualifié de « plus français des compositeurs anglais », Jonathan Harvey qui ne cache pas son influence de l’école française contemporaine est en effet bien connu et souvent programmé dans l’hexagone. Mais c’est à Leipzig qu’a été enregistré ce disque qui s’affirme également comme un très bel objet à manipuler.

L’album regroupe plus de 35 ans d’écriture pour le piano des Four Images After Yeats de 1969 aux Run Before Lightning de 2004. À la fin des années 1960, Harvey est un jeune compositeur qui cherche sa propre route ; ainsi Four Images After Yeats semble une étude sur la forme et le style avec des citations de Bach, Mozart, Schumann, Liszt, Scriabine, Schœnberg mais aussi une recherche sur les timbres et les couleurs qui évoque l’horizon sonore d’un Debussy. Cette belle partition, d’une grosse vingtaine de minutes, montre déjà tout le potentiel créatif de l’auteur.

Saut dans le temps avec le Tombeau de Messiaen, pièce qui explore et élargit l’amplitude du piano par la combinaison d’un grand piano à queue et d’un dispositif électro-acoustique. L’addition des sons, alternant périodes de fusions et d’affrontements, provoque une imposante impression de noirceur et de tensions. D’autres pièces comme Vers, Haiku et ff semblent des miniatures sorties soudainement de l’esprit du compositeur. Selon son inspiration, on assiste à une distorsion des spectres harmoniques qui voient des clusters lacérer l’espace sonore (ff) ou bien évoquent, en dix sept notes, la concision du Haiku japonais (Haiku).

Deux partitions pour flûte et piano introduisent ce programme : Run Before Lightning et Nataraja. Cette dernière pièce montre la fascination du compositeur pour les cultures asiatiques avec une partition qui reprend le nom du dieu Hindou aux quatre bras. Le travail sur les mélodies et les timbres est encore admirable et séduit l’esprit et les sens avec son humeur dansante, fantasque et lumineuse.

Méconnu chez nous, le jeune Florian Hœlscher, formé par Robert Levin, Michel Béroff et Pierre-Laurent Aimard témoigne d’une grande précision de jeu et d’une variété des touchers parfaite. Il est bien secondé par le flûtiste Pirmin Grehl.

Il faut, outre la qualité artistique de ce disque, saluer la notice de présentation simple et précise…Fait beaucoup trop rare pour les disques de musique contemporaine…

Pierre-Jean Tribot


10/09

Jonathan Harvey : pièces pour piano -pièces pour piano et flûte

Les pièces de Jonathan Harvey (né en 1939) regroupées ici mettent à l’honneur le piano, qu’il soit seul, accompagné par une flûte ou encore par une bande enregistrée. Le plus long solo, Four Images After Yeats (1969) date de l’époque où Harvey étudiait encore auprès de Milton Babbitt
– pionnier du mouvement sériel généralisé et de la musique électronique.
Si les deux premiers mouvements ne renient pas l’héritage debussyste,
le quatrième et dernier – singulièrement disproportionné et pourvu d’un titre (Purgatory) – se réfère plus largement à l’histoire de la musique pour piano, avec des citations de Bach à Scriabine, de Mozart à Schönberg. Comme l’écrit le poète irlandais : „l’esprit doit vivre les événements passés“…

Hommage à un protospectraliste – selon l’expression d’Harvey -,
Tombeau de Messiaen (1994) fait intervenir une douzaine de pianos enre-gistrés, tous accordés en séries harmoniques, chacune basée sur l’une des douze catégories de hauteurs. „Le piano solo lui-même reste accordé normalement, mais lorsque l’équilibre est bon (c’est-à-dire, lorsqu’on ne peut plus distinguer le piano live et celui enregistré), le rôle du piano live consiste à fournir le grain, la résistance aux spectres, sans avoir l’air d’être tout à fait en dehors d’eux, en partie parce qu’il joue assez souvent les mêmes choses, ou bien, dans d’autres endroits, il place presque les
mêmes hauteurs spectrales“. Utilisant le même genre de dialogue quel-ques années plus tard, le compositeur livre le bref Homage to Cage, à Chopin (und Ligeti ist auch dabei) (1998).

Condensation et concision modèlent d’autres pièces n’excédant pas
trois minutes : ff (1995) – qui invite Florian Hoelscher [lire notre chronique
du 12 janvier 2005] à l’exubérance et à une distorsion sous forme de clusters aigus -, Haiku (1997) mais aussi Vers (2000), morceau lyrique
et quasi improvisé où deux idées se croisent et s’interrompent mutuelle-ment, tendant vers le point de fuite que représente la citation de Bhakti, œuvre créée en 1982.

Le reste de l’enregistrement fait entendre la flûte de Pirmin Grehl.On
sait l’attachement de Jonathan Harvey pour les philosophies orientales
– qui l’a conduit à écrire l’opéra Wagner’s dream, s’inspirant d’un projet
de l’Allemand autour du bouddhisme. Nataraja (1983) est dédié au dieu hindou plus connu sous le nom de Shiva qui, par sa danse, détruit l’an-
cien et fait surgir le nouveau. Vive, sautillante et agitée, la pièce n’offre jamais vraiment d’apaisement. Enfin, Run before Lightning (2004)
s’inspire d’une expérience vécue : la foudre tombant à proximité du compositeur.

Laurent Bergnach


09/09

 


02.08.2009

Among these items are Harvey’s earliest piano work, Four Images After Yeats, written when a student of Milton Babbitt’s at Princeton, and his shortest — the 19-second Haiku, a mere 17 notes, in line with the verse-form’s quota of syllables, a flourish with an architecture. Two works, Tombeau de Messiaen and the brief Homage to Cage, are for piano with digital audio tape, and full of delightful twangy electronic modulations. Vers and the clustery ff are two more little piano pieces, while the other works are for piano and flute. In its volatile vitality, its whiplash piccolo brilliancy, Nataraja, titled after the four-armed dancing god (Shiva), is quintessential Harvey.

 


07/2009

 


04.05.2009

Jonathan Harvey
Werke für Klavier und Flöte

Nataraja tanzt nicht im Dreivierteltakt und nicht Foxtrott. Die hinduistische Gottheit, bekannt als eine Erscheinungsweise Shivas, des Königs der Tänzer und Herrn der Weltbühne, tanzt im Flammenkreis den kosmischen Tanz der fünf Aktivitäten – handelt von Schöpfung, Erhaltung, Zerstörung, Verkörperung und Befreiung.

Es ist, als ob Klang aus allen Phasen der universalen Metamorphose Resonanz erzeugt im 1983 entstandenen Stück „Nataraja“ für Flöte (bzw. Piccolo) und Klavier von Jonathan Harvey. Wie so oft vermeint man beim Hören zu spüren, dass die Musik des 1939 im englischen Sutton Coldfield geborenen Komponisten über Möglichkeiten der Bezugnahme auf das Numinose verfügt: aktiv sich ausrichtend, passiv empfangend. Seit Jahrzehnten gehört Harvey zu den international herausragenden Köpfen der zeitgenössischen Musik.

Er hatte u.a. Unterricht beim Schönbergschüler Erwin Stein, war Schüler von Milton Babbitt in Princeton, arbeitete regelmäßig mit elektronischen Medien der Klangerzeugung am IRCAM in Paris und unterrichtete selbst als Professor an der Standford-University oder Musikdirektor in Cambridge. In Harveys Musik – sein Schaffen umfasst nahezu alle Gattungen – durchdringen sich modale, post-serielle und auf elektronischer Spektralanalyse basierende Techniken der Satzgenese. Die Stücke entfalten sich im Spannungsfeld zwischen Kontemplation und ekstatischem Gestus. In sich vibrierende, oft von einer Anmutung des Quecksilbrigen durchpulste Klangaggregate kommen zur Blüte.

Musiker der Spitzenklasse
Jüngst ist nun beim verdienstvollen Label NEOS eine neue CD mit Werken aus der Feder Jonathan Harveys erschienen: Zwei Musiker der absoluten Spitzenklasse haben acht nach Gewicht und Anspruch durchaus unterschiedliche, in jedem Fall aber sehr originelle Kompositionen für Klavier bzw. für Klavier und Flöte eingespielt. Das weit ausgreifende letzte der 1969 entstandenen „Four Images after Yeats“ trägt den Titel „Purgatory“.  Zitate aus Werken von Bach, Liszt oder Schönberg gemahnen an konzeptionelle Bezüge zur Vorstellungswelt eines Bernd Alois Zimmermann; und sie ermöglichen es dem fantastischen Pianisten Florian Hoelscher – quasi auf komprimierte Weise – einen Einblick zu gewähren ins Reich seiner Talente.

Meditativer Dialog
Das sehr präzise, strukturbewusste, knisternd-lebendige Spiel dieses Künstlers verhilft Musik unterschiedlichster Provenienz zu einer je ihr gemäßen Weise des Leuchtens. Neben dem kaum Sekunden in Anspruch nehmenden „Haiku“ (1997) – einem den Augenblick erfüllenden Klangerlebnisspot – das „Tombeau de Messiaen“ (1994), in dem reales Klavierspiel kommuniziert mit den eigenen, mikrotonal verschwimmenden  Klangschatten: meditativer Dialog über Wirklichkeitsgrenzen hinweg.

Hochvirtuoses Spiel
Beim Hören der holpernd sich überschlagenden Motorik einer 1998 komponierten „Hommage to Cage, à Chopin (und Ligeti ist auch dabei)“ für Klavier und Digital Audio Tape kommt Freude auf; existentielle Unruhe beim „Run Before Lightning“ (2004) für Flöte und Klavier. Einmal mehr besticht hier der Flötist Pirmin Grehl mit der Suggestionskraft seines hochvirtuosen Spiel.

Helmut Rohm

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