Manfred Karallus über René Wohlhausers „Im lauteren Sein“

Sonntag, 01. Mai 2022

CD mit Musik von René Wohlhauser

173 / Mai 2022


Von Manfred Karallus

„Was befindet sich jenseits des Weltraums?“, fragt René Wohlhauser – und fragt nun aber nicht abstrakt, sondern begibt sich mit Untersuchungen zum Hubble-Ultra-Deep-Field-Teleskop gleichsam in die Tiefe des galaktischen Raums, Sie wissen, da, wo es südwestlich des Orion zum Sternbild des Chemischen Ofens geht. Allerdings gab es in seinem diesbezüglichen Klavierstück „Mikosch … lost in the Ultra Deep Field“, wie mir Wohlhauser versicherte, „keine Übertragung der Daten des Hubble-Teleskops in die Komposition, sondern nur eine ‚metaphorische’ Inspiration als Ausgangspunkt. Das Stück folgt seiner inneren, musikalischen Logik.“

Selten habe ich einer Compact Disc von A bis Z so neugierig gelauscht wie dieser. Da ist alles, bis ins letzte Detail, plastisch ausgearbeitet, gestalthaft, unmittelbar, zum Greifen nahe – und zugleich so anders als alles andere. Musik mit dem gesunden Geschmack des Selbstgemachten, dem Komponisten entflossen wie die Milch, die die Kuh gibt – „Mikosch“ trägt die Werknummer 1646! –, und ein Rezipieren, Verstehen und Kapieren ohne ästhetisches Umwegdenken mit verzögertem Aha-Erlebnis. Ein Hören aber auch ohne die Pflicht zur Lektüre von Texten, die einem erklären sollen, was die Musik nicht auszudrücken vermochte.

Selbstgemacht sind neben den knappen Einführungen auch die Gedichttexte, die, wo sie eine Baritonstimme verlangen, auch vom Komponisten selbst vorgetragen werden. Freche Sachen mitunter, Rotzlieder zu Schand- und Maulgedichten – und einen „Klumpengesang“, der, geschliffen notiert, den ungeschliffenen Schlusspunkt zu einer höchst bemerkenswerten CD setzt.

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