Erhard Grosskopf: Plejaden – KlangWerk 11

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Artikelnummer: NEOS 11801 Kategorie:
Veröffentlicht am: Oktober 19, 2018

Infotext:

Grosskopfs Umgang mit der musikalischen Zeit
zu Plejaden- Sieben ähnliche Stücke für Klavier und Orchester

Volker Straebel:
»Die Plejaden sind als Sternbild der Zeit entrückt, ganz so wie Grosskopfs Werke, gleichwohl als Zeit-Kunst Musik der Zeit verpflichtet, diese zu leugnen scheinen.
Eben nicht finden sich in den „sieben ähnlichen Stücken“ Analogien zur griechischen Mythologie des Siebengestirns, musikalische Figuren für Jäger und Gejagte, zielgerichtete Bewegungen und Entwicklungen wird man hier vergeblich suchen. Stattdessen reihen sich agogisch und rhythmisch intern strukturierte Abschnitte aneinander, die in ihrer Harmonik statisch bleiben. So unterschiedlich auch ihre Charaktere sein mögen – die durch Liegeton- oder Auftaktverbindung aufgeweichte Kontrastbildung verweigert sich traditionellem Formdenken. Dieser Verweigerung entspricht auch die Vielzahl von 15 bis 19 Abschnitten in den nur vier Minuten dauernden Stücken. Ihre Dauer ist in gewisser Weise kontingent: Ihr Material vergegenwärtigt sich in der Zeit, wird aber nicht in dieser gestaltet.
Die einzelnen Abschnitte sind stets von geradezu beharrlicher Material-Ökonomie und formaler Konsistenz geprägt. Beide Merkmale stehen für Grosskopfs Umgang mit der musikalischen Zeit: als Kategorie, in der sich musikalisches Material entfaltet, nicht aber als originärer Gegenstand kompositorischer Gestaltung. So werden die Klänge, den Plejaden gleich, aus der Zeit gelöst und erscheinen als eher geometrisch räumliche Gestalten, deren Wahrnehmung der Zeit bedarf.«

Wie begreift ein Musiker seine Rolle in Grosskopfs Plejaden?

Ursula Oppens:
»Also, ich würde das gerne mit Mozart vergleichen: Bei Mozart kann man den kleinsten Fehler genau hören. Deswegen muss man sich wirklich konzentrieren, aber wenn wir gut spielen, dann können wir es hören, und es ist so stimmig und musikalisch und aufregend. Deswegen muß man diese zwei Aspekte beachten, also dass man sehr aufmerksam seine Pflicht tut und dass man gleichzeitig innerlich an so einem schönen Stück teilnimmt.
Konzerte können ein Podium für reines Virtuosentum bis hin zu echter Kammermusik sein, und dies ist definitiv ein Kammermusikstück, wo Klavier und Orchester vollkommen miteinander verwoben sind, und ein Teil dieses Erlebnisses ist zu wissen, diese Stelle hier geht zusammen mit den Geigen, und jetzt bin ich mit den Trompeten zusammen, man denkt wirklich an die Gruppierungen, in denen man sich jeweils befindet, und dann merkt man, wie sehr man zum Teil des Orchesters wird. Das ist wirklich aufregend.
Diese erhöhte Konzentration beim Hören von anderen Stücken von Grosskopf bemerke ich jetzt auch beim Spielen. Man spielt niemals auf dem Schlag. Ich glaube, dass es den Zweck hat, dass der Klang dadurch ein klein bisschen anders ist, als wenn es einfacher wäre.«
(aus dem Interview mit M. R. Entreß anlässlich der Uraufführung)


Ein Haus für die Musik

Erhard Grosskopf:
»Wie in dem Gedanken von Körper und Geist der Körper deutlicher, fassbarer, messbarer und deshalb wirklicher zu sein scheint, und doch der Geist den Körper formt wie Wasser und Wind den Sand, so kann uns der Geist eines Kunstwerks verändern, wenn er unsere Seele berührt. Oder mit einem anderen Bild gesagt: Als Komponist bin ich wie ein Architekt, der ein Haus für die Musik baut und hofft, dass die Musik in dieses Haus einzieht – nicht wie der Inhalt in die Form, sondern wie der Geist in die Seele.«

KlangWerk 11: Hören

Frederic Rzewsky (Komponist, Pianist): »Sehr schön, irgendwie zeitlos …«

Helmut Lachenmann (Komponist): »So eine farbenreiche Musik – Das ist ein so rein durchdachtes Stück, dass ich mich seiner Klangwelt und ihrem ästhetischen Konzept fast irgendwie verwandt fühle, obwohl und wobei ich vermutlich auf einem ganz anderen Weg bin. Gerade mit seinem »Verzicht« auf irgendwelche klangtechnischen Eskapaden ist diese Musik neu = total frisch.«

Wolfgang von Schweinitz (Komponist): »KlangWerk 11 ist ja ein grandioses, fantastisches Stück, mit all diesen reichen, wunderbar ausgehörten auratischen Klängen!«

Heinz Weber (Klangkünstler): »›Luft in Luft‹, ein komplexes prismengleich-farbenvolles Gebäude entsteht: Man kann es sich anschauen, man kann auch hineingehen und ist von ihm umgeben. Architektur: ja – offen, durchlässig: So kann die Musik dort einziehen.«

Frank Badur (Bildender Künstler): »Es ist ein Stück, dem ich mehrfach aufmerksam lauschte, das mich sehr anspricht und durchaus Parallelen zu meinen visuellen Bemühungen aufzeigt.

Walter Zimmermann (Komponist): »Gewagtes Orchesterstück.«

Georg Katzer (Komponist): »Kein ›Schmuh‹ mit dem Publikum.«

Carola Bauckholt (Komponistin): »Toll, diese großräumigen Bewegungen.«

Dirk Baecker (Soziologe): »Jetzt habe ich es gehört – wunderbar.«

Christoph Metzger (Musik-, Kunst-, Architekturwissenschaftler): »Für mich im Kontext der großen Farbflächenmalerei eines Rothko und Newman zu hören – Expansionen in der Fläche, die fein differenziert sind und zum vertieften Hören einladen.«

Peter Eötvös (Komponist, Dirigent): »Schon vor zwei Wochen die Aufnahme mit Partitur abgehört und sehr entspannt Deinen schönen, ruhigen Klängen gelauscht. Ich habe mich gefreut, Deine Klangwelt in meiner Erinnerung zu behalten.«

Jörg Birkenkötter (Komponist): »Gerade angehört. Erster Eindruck: wunderbare Musik!«

Jan M. Petersen (Bildender Künstler): »Das hat meine Hörgewohnheiten radikal beflügelt.«

Helmut Oehring (Komponist): »Ich war begeisterter Zuhörer. Eine faszinierende Musik, dieses KlangWerk 11.«

Matthias R. Entreß (Musikschriftsteller): »Ich finde es völlig unfassbar in seiner Würde und Schönheit. Die ›Tugenden‹ – dass kein Moment sich wiederholt, die hervortretenden Einzelereignisse das Kontinuum des Zeitlichen nicht erschüttern, was ja eine ungeheure Zuversicht ausdrückt. – Ein wunderbar überirdischer Fremdkörper.«

Peter Michael Hamel (Komponist): »Sehr stark!«

(Kommentare nach Aufführungen und Radiosendungen bei hr, BR, rbb, DLF)

Programm:

Erhard Grosskopf (*1934)

Plejaden – Sieben ähnliche Stücke
für Klavier und Orchester (2002) 29:16

[01] I 04:43
[02] II 04:37
[03] III 03:52
[04] IV 03:34
[05] V 05:13
[06] VI 03:17
[07] VII 04:01

Auftragswerk von MaerzMusik/Berliner Festspiele
Live Mitschnitt der Uraufführung, 16. März 2003 · MaerzMusik

Ursula Oppens, Klavier
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB)
Vykintas Baltakas, Dirigent

[08] KlangWerk 11 für Orchester, Op. 64 (2011) 31:29

Live-Mitschnitt, 18. Januar 2017 · Ultraschall Festival Berlin

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin (DSO)
Johannes Kalitzke, Dirigent

Gesamtspielzeit: 60:46

Welt-Ersteinspielungen

Pressestimmen:

Unter dem Titel „LangsameSterne“ schreibt Tim Caspar Boehme in der taz vom 28.03.2019 über Grosskopfs „Plejaden – sieben ähnliche Stücke für Klavier und Orchester“:  „Wie ja auch die Sterne meistens langsam ihre Bahnen ziehen … langsam bewegt sich ihrerseits die Musik in diesen sieben unbetItelten Stücken… Statt auf ein erkennbares Ziel hinzusteuern, wie man es bei einer Reise macht, scheinen diese Klänge eher umeinander zu kreisen und allmählich voneinander wegzutreiben, ins Offene.“

Auch von der zweiten Komposition auf der CD, von KlangWerk 11, ist der Autor in besonderer Weise beeindruckt und endet mit den Worten: „Grosskopf spannt darin, wenn man so möchte,  über die Dauer einer halben Stunde hinweg einen Farbraum auf, der permanent changiert, neue Facetten oder Perspektiven offenbart. Mit Klängen, die sich scheinbar völlig selbst überlassen sind. Und denen man sich selbst nur allzu gern überlässt.“

Die vollständige Rezension können Sie hier lesen.

 

März 2019

Der Berliner Komponist Erhard Grosskopf (*1934) gehört zu den profiliertesten Komponisten seiner Generation, auch wenn er nie den Bekanntheitsgrad von Kollegen wie Helmut Lachenmann oder Dieter Schnebel erreicht hat. Das mag daran liegen, dass seine Ästhetik nie etwas vordergründig Radikales an sich hatte. Dass die sinnliche Erörterung der strukturellen Zusammenhänge von  Zeit, Form und Klangfarbe Grosskopfs ganz besondere Qualität ist, wird in der umfangreichen Farbpalette des großen Orchesterapparats besonders frappant. Zwei spannende Live-Mitschnitte der Berliner Neue-Musik-Festivals MaerzMusik und Ultraschall ermöglichen intensive Einblicke in Grosskopfs orchestrales Klangdenken. (…) Wirkt das ortlose Klanggefunkel der „Plejaden“ gelegentlich etwas spröde, präsentiert sich „KlangWerk 11“ (2011) als charismatisches Orchesterstück, dessen stationäre und doch vielfarbig fluoreszierende Klänge an György Ligeti erinnern. Eine Musik von eigenartiger Schönheit, in deren fein schraffierte Flächigkeit dramatische Intarsien eingearbeitet sind.

Dirk Wieschollek

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