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Claude Debussy – Boris Tchaikovsky – Carl Maria von Weber: Concerto

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Artikelnummer: NEOS 20905 Kategorien: , ,
Veröffentlicht am: November 20, 2009

Infotext:

Zweite NEOS-Einspielung mit dem fabelhaften schweizer Klarinettisten und Komponisten Matthias Mueller

Boris Tschaikowskys Klarinettenkonzert legt NEOS hier als westeuropäische Ersteinspielung vor. Das Werk des in der kommunistischen UDSSR lebenden Komponisten begeistert durch seine russische Seele und spielerische Unbekümmertheit. Ein Konzert fernab von den westeuropäischen Avantgardeströmungen, das mit Charme und Nonchalance freudvolle Musik versprüht.

Debussys „Rhapsodie“ in der Orchestration des Komponisten wird zwar selten in den Konzertsälen gespielt, es wurde aber schon oft aufgenommen. Matthias Mueller hat nun das parallel zur Rhapsodie entstandene Petite Pièce  von Debussy analog zur Rhapsodie orchestriert.

Webers Klarinettenkonzert ist natürlich ein Klassiker der Klarinettenliteratur. Durch den kraftvollen Klang und das schwungvolle Aufspielenden  des Spitzenorchesters aus Russland (Vladimir Fedosejev ist Chefdirigent) erklingt das Werk in jugendlicher Frische, aber auch voll sehnsüchtig-romantischer Melancholie.

Programm:

Boris Tchaikovsky (1925–1996)
Concerto for Clarinet and Orchestra (1957) 13:46
[01] Moderato 05:02
[02] Vivace, Allegro 08:41

Claude Debussy (1862–1918)
[03] Première Rhapsodie (1910) 08:34

[04] Petite Pièce (1910) orch. by Matthias Müller 01:56

Carl Maria von Weber (1786–1826)
Concerto for Clarinet and Orchestra No. 2 (1810) in E flat major, op. 74 23:34
[05] Allegro 08:56
[06] Romanca, Andante 07:20

[07] Alla Polacca 07:11

total time 48:13

Matthias Mueller, Klarinette
Tchaikovsky Symphony Orchestra Moscow
Mischa Damev, Dirigent

Pressestimmen:


01/2017

Matthias Müller is an accomplished clarinetist, adept and  (literally) lightfingered in Weber’s virtuoso flourishes, bringing real zest  and a touch of humour to the busy high lines of Boris Tchaikovsky’s finale.  But, rather than any particular tonal distinction, it’s his exceptionally alert rhythmic address that stands out, making for unusually cohesive, tautly  knit performances of even the ruminative, rhapsodic Debussy pieces. The  mysterious, exploratory opening of the Première rhapsodie  incorporates plenty of spontaneous-sounding give-and-take. The textures start  to blossom at 3:47, and the soloist’s alertness pays off in a bracing final buildup. Müller performs the Petite pièce with his own orchestral  realization of Debussy’s original piano accompaniment; it’s clean and shiny, though it misses the nuance and variety of the composer’s own palette.

I’d not previously been familiar with Boris Tchaikovsky’s  music: I only knew the composer’s name as a distraction, while I was looking  up „the“ Tchaikovsky in the old record catalogues. His Clarinet Concerto falls  easily on the ear, drawing on a number of recognizable influences. The first  movement begins with the soloist unfurling spacious, wistful lines over  patient triplets, with the strings and clarinet switching roles at 2:23. Prokofiev and Copland are close at hand; so, occasionally, is Menotti (think  the waltz from Sebastian). The second and third movements, which  share a single track here, are Neoclassical in style. In the Vivace,  the clarinet tootles away over pizzicatos and such; the vigorous, driving  Allegro bustles cheerfully along. Trumpets, introduced as support at  4:09, take an obbligato role at 5:55; in the home stretch, tympani  punctuations are a shock.

It’s odd to find the  Weber in this company – his concerti usually travel in pairs, like nuns – but  its sturdy traditionalism makes a nice foil to Debussy’s elasticity and Tchaikovsky’s comparative spareness. Müller is deft in the dazzling runs and curlicues, and Mischa Damev’s attentive, supportive conducting becomes more  characterful. The opening ritornello is forthright and ceremonial;  later, the conductor effectively sets off the scurrying soloist against a  weightier orchestral sound. The Romanza plays, at times, like an operatic scena, notably beginning at 4:43.

The orchestra, unsurprisingly, sounds most at home in the Tchaikovsky, although the  Vivace’s unison string interjections don’t all sound completely in  control. The bass strings sound a little light, but provide sufficient support  for the sonority in tutti. The woodwind chorales in Weber’s  Romanza are more characterful, if less pure, than most.

The sound is fine. In the Weber, the acoustical overhang becomes conspicuous in the rests after full chords, but it doesn’t interfere with detail anywhere.  Recommended for the performances and the repertoire.

Stephen Francis Vasta
Stephen Francis Vasta is a New York-based conductor, coach, and Journalist.

www.musicweb-international.com

 


08/2010


04/2010


01/2010

Vielseitige Besessenheit

Es ist ein Glücksfall: Der Schweizer Matthias Müller, exzellenter Klarinettist und vielseitiger Musiker der jungen Generation, und das erst zwei Jahre alte Münchner Label NEOS des umtriebigen Wolf Weinmann – einst Gründer und Spiritus Rector des avantgardistischen Labels col legno – fanden zueinander. So konnte Matthias Müller gleich eine frühere Produktion mit dem Klarinettenkonzert von Boris Tchaikowsky wieder neu präsentieren, das gekoppelt ist mit Debussys Rhapsodie und dem zweiten Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber; die CD ist technisch verbessert und auch angemessen aufwendig als Digipack mit zweifacher Klappe ausgestattet – alle Produktionen des NEOS-Labels sehen so aus. Beim ersten Erscheinen dieser Aufnahmen von 1998 hatte ich vor allem das wichtige Klarinettenkonzert des zeitgensössischen Tchaikowsky ausgiebig gewürdigt2. Der Komponist war mit 71 Jahren im Jahr 1996 – also kurz vor der Aufnahme – verstorben und es ist deshalb um so verdienstvoller, dem dankbaren Werk eine Wiederbegegnung im neuen Klangbild zu verschaffen. Dazu hatte ich geschrieben:

Ein wenig irritiert drückt man auf den Startknopf für Track 1: Tchaikowskys Klarinettenkonzert! – Es ist natürlich nicht der bekannte, sondern ein zeitgenössischer russischer Namensvetter, mit Vornamen Boris Alexandrovich, …. der nur den Sowjetstaat erlebt hat…  Sein dreisätziges Klarinettenkonzert klingt … nach „Russischem“ wie nach „Westlichem“, und das in attraktiver Ausgewogenheit. Im Vergleich dieses 1957 entstandenen Werks etwa mit dem sieben Jahre späteren viersätzigen Cellokonzert von fast vierzig Minuten Länge, das etliche Ausbrüche und Ausflüge in gewagtere Klanggefilde enthält, registriert man in diesem nur 13 Minuten dauernden Stück eine recht gemäßigte moderne Tonsprache. Es beginnt überraschend mit dem langsamen Satz im gemächlichen Dreivierteltakt, eindringlich schmeichelhaft gedämpft und leise in einer Art „russicher Seelenkantilene“. Ihm folgt ein Vivace-Teil im Dreiertakt mit virtuos auftrumpfenden

Klarinettengirlanden, der abrupt in ein stark rhythmisch geprägtes, fast swingendes Allegro im Vierertakt überleitet, das an George Gershwin oder auch Leonard Bernstein erinnert. Das ganze beinahe spätromantisch wirkende Werk klingt in vielen Passagen nach Filmmusik (die der Komponist ja auch geschrieben hat), die mühelos ins Ohr und ins Herz eingeht, was die Qualität der Erfindung nicht beeinträchtigt: der Zuhörer wird nicht gefordert, er kann sich zurücklehnen und an seinem inneren Ohr bei geschlossenen Augen vielfarbige Bilder vorbeiziehen lassen…

Daß er sich auf die Moderne versteht und ihm weicher Ansatz wie beherzter Attacke zu Gebote stehen, zeigt er in Debussys 1. Klarinettenrhapsodie und auch in einer – von ihm aus der Klavierstimme selbst orchestrierten – Fassung von „Petite Pièce“ von 1909/1910. In Webers zweitem Klarinettenkonzert schließlich erweist er sich wieder klangschöner Kantilenen und virtuos auftrumpfenden Zugriffs fähig – in beiden Fällen überzeugende Interpretationen, die sich jeder Konkurrenz stellen können.

Das NEOS-Label hat Matthias Müller gerade mit einer weiteren Produktion eine neue und anspruchsvolle Plattform geboten, sich selbst, seine Kunstfertigkeit und seine musikalischen Vorstellungen vorzustellen… Dazu gleich eine Quizfrage: Wie oft holt der Klarinettist Atem, während er knapp vier Minuten lang das irrwitzige Moto Perpetuo von Niccoló Paganini solo spielt, also ohne Klavierbegleitung? Müller schreibt im selbst verfaßten Booklet, er strebe eine kombinierte Identität an von Virtuosität und Kunstgestaltung, von Spielperfektion in höchster Vollendung als Grundlage einer von jeder Technik völlig unabhängigen und in jedem Moment der Interpretation freien und neuschaffenden Gestaltungsmöglichkeit. Es ehrt ihn, daß er den (fast er-)schlagenden Beweis der eigenen Virtuosität an den Schluß seiner Präsentation auf der SACD verlegt, wo er in aberwitzigem Tempo in 3:52 Minuten dieses Show Piece so herunterbläst, daß einem Hören und Sehen vergehen. Natürlich kann es eine einzelne Geige noch schneller, wie etwa mit Menuhin3, der 1947 in ganzen drei Minuten fertig wurde, während Itzhak Perlman4 sich mit 4:20 Minuten doch etwa mehr Zeit läßt; rund vier Dutzend großer und ganz kleiner japanischen Geigerinnen5 brauchen in ihrer faszinierend präzisen Version fast sechs Minuten, was trotzdem mehr einer Zirkusnummer gleicht als einer musikalischen Offenbarung…

Was aber mit diesem Müllerschen Paganini-Klarinetten-Feuerwerk erkennbar wird, ist neben seiner stupender Kunstfertigkeit tatsächlich so etwas wie eine Ahnung davon, daß ein Idealfall möglich ist, in dem „das Instrument mit Körper und Geist des Musikers verwächst“, wie Müller es formuliert. Er will bewußt mit einer bis zum Äußersten perfektionierten Spieltechnik „jegliche Hindernisse überwinden, die zwischen musikalischer Idee und Klangresultat stehen“ und er schreibt weiter: „Im Virtuosentum wird die Überwindung von Schwierigkeiten zelebriert und die Musik dem Zauber der Magie nahegebracht. Der Solist steht alleine da und muß seine Sonderrolle auch durch eine besondere Leistung rechtfertigen“.

Das sind viele und sehr hohe Ansprüche an sich selbst und man möchte wissen, ob Matthias Müller sie erfüllt. Mutig beginnt er in attraktiv präsentem Raumklang der Silberscheibe mit seinem eigenen viersätzigen Klarinettenkonzert, vor kurzem erst fertiggestellt und schon mit den ersten Takten faszinierend, wenn sich auf einem ganz aus dem Leisen entstehenden Klangteppich des Ensembles der Klarinettenton schlangenhaft in die Höhe windet. Die Sätze sind nicht durchgehend rhythmisch strukturiert, erlauben also fast immer einen Ablauf wie in einer Diaschau von Bildern, in denen sich aneinandergereihte Ton- und Klangvorstellungen nacheinander präsentieren. Im Gegensatz zum Nebeneinander der Klangabschnitte des Kopfsatzes erlaubt der zweite Satz als Andante ein Ineinanderfließen der Motive. Der dritte Satz – ein Allegro scherzande leggiero – beginnt mit einer Art von Rhythmus, der sich aber bald einer eigendynamisch tanzenden und hüpfenden Klarinettenstimme freier angleicht, die immer wieder mit solistisch hervorgehobenen Orchesterinstrumenten dialogisiert. Eine brillant ausgearbeitete Solokadenz der Klarinette mündet in den Finalsatz, in dem ein virtuoses Rankenwerk der Klarinette nicht nur vielfarbige Klangbilder entstehen läßt, sondern dem Solisten auch bizarre Figurationen abverlangt – mitreißend gestaltet ist die kurze Schlußcoda auf Pizzicati der tiefen Streicher als fast fiebriger Kehraus des Klarinettensolos…

Erweist sich Matthias Müller in seinem eigenen Klarinettenkonzert als ein Meister der Form, die dem Hörer nichts wirklich neutönerisch „Schlimmes“ zumuten will, so nutzt er im Ablauf der Musikstücke dieser SACD das nächste, um zum ersten Mal reine Virtuosität zu demonstrieren: Rossinis Andante mit Variationen ist für die meisten anspruchsvollen Klarinettisten ein Schlachtroß; es gibt deshalb davon unzählige Einspielungen. Müllers Interpretation unterscheidet sich von ihnen dadurch, daß er über das von Rossini Notierte hinaus an vielen Stellen zusätzliche Verzierungen, Triller, Vorschläge, ja ganze Kadenzen mit höchstem virtuosen Anspruch anbringt, so daß man gespannt auf immer neue Solistenschnörkel wartet und überrascht feststellt, daß sie wie ganz natürliche Bestandteile des ohnehin auf virtuosen Glanz ausgerichteten Klanggeschehens erscheinen. Die Schlußvariationen rauscht in einem wahrlich  abenteuerlichen Tempo am Ohr vorbei, so daß man den eigenen Atem erst in einer langen und ungemein feinsinnig auskomponierten Kadenz wiederfindet, die sich „virtuosissimo“ in allen Ton- und Klangregistern vom Pianissimo-Baß bis zum Fortissimo-Diskant austobt, bevor sie den erlösenden Schlußlauf erreicht.

In diesen beiden Werken begleitet das inspirierte und einfühlsam begleitende ensemble zero, dem Matthias Müller auch als künstlerischer Leiter vorsteht. Danach beginnt solistisch Vorgetragenes, zunächst mit drei Stücken von Igor Strawinsky, die als originelle Miniaturen wesentlich dazu beitrugen, zu Beginn des letzten Jahrhunderts den Dornröschenschlaf der Klarinette zu beenden. Wenn Müller schreibt, Strawinsky zeige den „Farbenreichtum, … virtuose Möglichkeiten und …  stilistische Vielfalt mit dem ersten bedeutenden Solowerk für Klarinette exemplarisch auf“, so ist er mit seiner fesselnden Interpretation auch der beste Anwalt dieses Lobes. Diese Miniaturen waren wohl auch der Anlaß dafür, selbst solche Solostücke für sich zu komponieren, die 6 Études de Concert. Das Beiheft druckt von dreien der Etüden – nämlich Nr. 1: „jumping around“, Nr. 4: „Vals all’appogiatura“ und Nr. 5: „hommage“ – jeweils eine ganze Notenseite ab, man kann so das Gespielte mitlesend verfolgen. Besonders interessant ist die Nr. 2, mit „perpetuum“ bezeichnet – sie nimmt die letzte Paganini-Leuchtrakete dieser SACD mit einem atemlosen Dauerspiel schon vorweg. Unter „plaine ondulée“ der Nr. 3 kann man sich tatsächlich so etwas wie eine wellenförmige Ebene vorstellen, die im Licht flirrt. Der Appogiaturen-Walzer der Nr. 4 umspielt mit vielen unterschiedlichen Vorschlagsnoten und –läufen die vielen Haupttöne mit schmückendem Rankenwerk. Nr. 5 – „hommage“ – arbeitet mit besonderen vertrackten Spieltechniken, so mit Verschleifen, Überblasen oder dem Erklingenlassen nur eines oberen Tons von zwei notierten mit bestimmten Griffen. Im letzten Stück „barbaro“ wagt sich Müller weit aus dem Gewohnten heraus und nutzt fast alle modernen Spieltechniken, die man heute mit der Klarinette ausführen kann, für mich das Meisterstück eines avantgardistischen Komponisten, der damit seine ganze Spannweite an Musikerfahrung unter klingenden Beweis stellt.

Das Beiheft berichtet vom Klarinettenstudium Matthias Müllers bei Hans-Rudolf Stalder in Basel und von Klavier- und Kompositionsstudien, auch bei Jörg Wyttenbach und erwähnt internationale Solistenpreise. Man liest auch, daß er sich bevorzugt zeitgenössischer Musik widme; er hat in Zürich auch Kelterborns von mir später besprochenes Klarinettenkonzert6 uraufgeführt.

Die NEOS-Produktion überrascht zudem auch noch mit einer Bonus-DVD, die in zwei Formaten beigefügt wird: in PAL für Europa und in NTSC für Japan und andere Länder. Sie enthält Filmaufzeichnungen sowohl der sechs Konzertetüden als auch einer Aufnahme des „Kleinen Harlekins“ von Karlheinz Stockhausen, ein originelles Zehn-Minuten-Werk für Soloklarinette, das – weil es ja gefilmt wurde – von  Matthias Müller im rotblauen Harlekin-Anzug als Personendarstellung interpretiert und von der Kamera in abwechslunsgreichen Bildern illustriert wird.

Die visuellen Gestalter der Bildfolgen – Rosa Monika Guggenheim und Cyril Gfeller – haben dabei nicht nur den Klarinettisten im Visier ihrer Kameras, sondern sie haben auch in manchen Bildfolgen neben Natursequenzen im Hintergrund und neben verfremdenden Farbenspielen vor allem das Erklingende in der Zuordnung zum Interpreten künstlerisch überzeugend bearbeitet.

Man kann dem großartigen, vielseitigen, einfallsreich engagierten Musiker auch und vor allem zu dieser Produktion nur von Herzen gratulieren – was sie an lebendiger und virtuoser Musik, an allgemeinen und auf sich selbst bezogenen Informationen, an Filmdarstellungskunst und an Hör- und Sehgenuß bietet, ist allen Lobes wert, und das gilt uneingeschränkt auch für das NEOS-Label, dem man dafür nicht genug danken kann.

Diether Steppuhn

Biel-Benkemer Dorf-Zyting
12/2009

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